400 Meter in zehn Tagen
Soest. „400 Meter in zehn Tagen“ klingt für sich allein betrachtet erst einmal nach Schneckentempo, ist im Bereich der Sanierung von Trinkwasserrohrleitungen aber Raketentempo. Die Stadtwerke Soest und ihr Dienstleister sanieren aktuell einen 400 Meter langen Transportleitungsabschnitt im Bereich Meinigsen. Die Leitung mit einem Durchmesser von 300 mm wird vorsorglich saniert, um die hohe Versorgungssicherheit weiterhin sicherstellen zu können. „Das Besondere an der Sanierung ist die Art und Weise. Anstatt in offener Bauweise mit Gräben und massiven Verkehrseinschränkungen wird dieser Bereich im Relining-Verfahren saniert. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass nur zwei kleinere Baugruben notwendig sind“, erläutert Marcel Besner, Leiter Netzbetrieb Gas, Wasser, Wärme. Eine entsteht am Startpunkt, wo der Liner in das vorhandene Rohr eingezogen wird. Die zweite wird am Endpunkt, wo der Liner an das bestehende Netz angeschlossen wird, ausgehoben.
Der Liner ist eine Art sehr widerstandsfähiger „Schlauch“. Er wird gefaltet in das bestehende Rohr mit zirka 8 Metern pro Minute eingezogen. Im Anschluss wird er mit Druckluft entfaltet. Wenn er entfaltet ist, bildet er praktisch ein neues Rohr im bestehenden. Der Liner erfüllt dann alle Anforderungen an Druckfestigkeit, Dichtigkeit und Hygiene. Vor der Inbetriebnahme des sanierten Abschnitts erfolgt die Druckprüfung, es wird desinfiziert und gespült sowie final das Wasser beprobt.
Das Relining-Verfahren hat viele Vorteile. Zum einen geht es im Vergleich zu der konventionellen Methode deutlich schneller, es spart rund 50 % der Zeit für Tiefbau und Verlegung. Zum anderen wird die Umwelt geschont, da bei den zwei Baugruben nur rund 15 m3 Erdaushub im Vergleich zu zirka 600 m3 bei der „offenen Bauweise“ notwendig ist. „Darüber hinaus ist das Relining-Verfahren auch deutlich günstiger“, so Besner.
Das Verfahren ist dort sinnvoll, wo auf längeren Strecken keine Hausanschlüsse oder andere Abzweigungen vorkommen. Das Verfahren wird in der Regel auf Strecken von bis zu 600/800 Metern eingesetzt. Faktoren wie der Durchmesser, das Material der bestehenden Leitung und die Anzahl von Bögen spielen eine Rolle für die auftretenden Zugkräfte. Am Ende beeinflussen sie die Länge der am Stück verbauten Liner.